Gabriele Hofer-Hagenauer

Katharina Gruzei – Bodies of Work

Arbeit ist Kraft mal Weg, physikalisch gesehen, und Leistung wird definiert als Arbeit pro Zeiteinheit. Zwei Monate liegen zwischen den beiden Aufnahmen eines Schiffs- rumpfes, die für Katharina Gruzeis Fotoserie Bodies of Work gleichsam einen Anfangs- und Endpunkt darstellen. Die geleistete Arbeit, industriell wie handwerklich, liegt zwischen den Bildern, sinnlich erfahrbar gemacht durch die sichtbaren Veränderungen am Werkstück.

In der Linzer Schiffswerft1)Die Österreichische Schiffswerft AG (ÖSWAG), 1840 von Ignaz Maier gegründet, blickt auf eine wechselvolle, mehr als 170-jährige Geschichte zurück und ist heute die letzte Donauwerft in Österreich. Neben Umbau- und Reparaturarbeiten werden noch Neubauten von Binnensee-Fahrgastschiffen und Flussschiffen realisiert. Die ÖSWAG gliedert sich in die Werft und eine Firma für Maschinenbau., wo die Serie entstanden ist, wird trotz hochtechnologisierter Fertigungsabläufe noch „richtig“ gearbeitet. Körpereinsatz, Schmutz, Staub, Schweiß, Späne: Hier hat die klinisch rein erscheinende, computergesteuerte Vollautomation noch nicht vollends Einzug gehalten; ein Aspekt, der für die Künstlerin von Beginn ihrer Werkkonzeption an von Bedeutung war. Bewusst wird im Titel auf zwei verschiedene Bedeutungsebenen angespielt: Bodies of Work will sich nicht nur im Sinne von Werk- komplex, Werkkorpus, Werkstück verstanden wissen, sondern auch als „Arbeitskörper“: Der menschliche – in diesem Fall ausschließlich männliche – Körper, der Arbeit verrichtet, eingebettet in ein industrielles Umfeld. Gruzeis Blick richtet sich dabei nicht nur auf die klassische (Größen-)Relation Mensch-Maschine. Sie rückt konkrete Arbeitssituationen ins Bild, lässt den menschlichen aber vielfach mit dem maschinellen, apparativen Körper verschmelzen, was an hybride Wesen, Cyborgs oder Astronauten erinnert. Gruzeis sensible Bildkonzeption lässt weder eine Verherrlichung der industriellen Technik, noch eine Heroisierung des arbeitenden Körpers zu. Ausgerüstet mit Arbeitsequipment, das der Sicherheit dient, wirken die arbeitenden Körper seltsam fragil, manchmal auch haltlos, zwischen überdimensionalen Maschinenteilen fast verloren.

Einem Geisterschiff gleich, verliert sich ein Flusskreuzer – für Reparaturarbeiten an Land gezogen – im herbstlichen Nebel, gespiegelt auf der sanft bewegten Wasserober- fläche der Donau. Geradezu strahlend, wie ein Hoffnungsschimmer, erscheint dieses Schiff im Eingangsbild der Fotostrecke, kontrastiert mit dem Dunkel der Werkshalle, die als architektonischer Rahmen fungiert. Die Halle, in den 1970er-Jahren errichtet, als der Schiffsbau noch florierte, wirkt porös und brüchig: ein Sinnbild der sich wandelnden industriellen Arbeitswelt und ihrer soziokulturellen wie gesellschaftspolitischen Aspekte.

References   [ + ]

Gabriele Hofer-Hagenauer ist Sammlungsleiterin für Fotografie und Kuratorin für moderne und zeitgenössische Kunst in der Landesgalerie Linz am Oberöster- reichischen Landesmuseum.